PROFESSIONELLE HILFE BEI UNGEWOLLTER SCHWANGERSCHAFT

‘Ich fühlte mich sicher bei dem Arzt, der mich behandelte.’’

Maja (28)

Kurzer geschichtlicher Überblick

Schwangerschaftsabbrüche sind in den Niederlanden gesetzlich geregelt und unterliegen professioneller medizinischer Betreuung. Dem heute bestehenden Konsens gingen in den 1960er Jahren vehemente Diskussionen und politische und gesellschaftliche Spannungen voraus. Die Abtreibungsklinik Beahuis & Bloemenhovekliniek in Heemstede hat bei der Legalisierung und Akzeptanz von Schwangerschaftsabbrüchen in den Niederlanden eine wichtige Rolle gespielt.

 

Bis in die sechziger Jahre hinein galt Abtreibung als ein „Verbrechen gegen die Sittlichkeit“. Gynäkologen durften Schwangerschaftsabbrüche nur aufgrund einer medizinischen Indikation durchführen. Ungewollt schwangere Frauen, die einen Abbruch wollten, mussten diesen heimlich durchführen lassen, mit allen damit verbundenen medizinischen und rechtlichen Risiken.

 

1971 wurden die ersten Pläne zur Gründung einer auf Schwangerschaftsabbrüche spezialisierten Abtreibungsklinik in Beverwijk entwickelt. Am 7. Juli 1971 nahm die Abtreibungsklinik „Beahuis“ mit zwei speziell ausgebildeten Hausärzten und einem kleinen Team von Pflegekräften und Mitarbeitern den Betrieb auf.

 

Das Beahuis erfreute sich von Anfang an großer Nachfrage. Nach drei Patientinnen am ersten Tag waren am zweiten Tag schon alle fünf Betten belegt. Schon am dritten Tag erschienen die ersten ausländischen Patientinnen. Es wurden weitere Säle angebaut und bald schon wurden täglich zwölf Frauen behandelt, und das an sechs Tagen die Woche. 1971 wurden in Beverwijk 1.170 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Zurzeit finden in der Beahuis & Bloemenhovekliniek jährlich 3.000 Abbruchbehandlungen statt.

 

1973 wurde das Gebäude in Heemstede angekauft, in dem die heutige Beahuis & Bloemenhovekliniek untergebracht ist. Einerseits wegen des großen Zustroms von Patientinnen, andererseits auch deswegen, weil die Klinik nun auch Schwangerschaftsabbrüche zwischen der 12. und 18. Schwangerschaftswoche durchführte. Für diese „Zweite-Trimester-Behandlung“ wurde die „Bloemenhovekliniek“ gegründet, die zusammen mit dem Beahuis in das Gebäude einzog. Der Grund für diese Trennung war unter anderem auch, zu verhindern, dass die Behörden die ganze Klinik schließen würden, was bei der zu erwartenden heftigen Kritik an der Vornahme von Schwangerschaftsabbrüchen im zweiten Trimester befürchtet wurde.

 

Abtreibungskliniken waren schon immer umstritten. Entrüstete Bürger, Kirchen und Politiker machten Anfang der 1970er Jahre massiv Front gegen Schwangerschaftsabbrüche. Justizminister Van Agt rief 1975 zu einem „ethischen Erwachen“ auf und erklärte sich als entschiedener Gegner der Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Dem gegenüber gingen Abtreibungsbefürworter wie die Feministinnengruppe „Dolle Mina’s“ mit dem Slogan „Mein Bauch gehört mir“ auf die Straße. Es gelang der Frauenbewegung 1976, die drohende Schließung der Abtreibungsklinik durch Minister Van Agt mit einer Besetzung zu verhindern. Es ist auch dem Kampf der Frauenbewegung zu verdanken, dass Schwangerschaftsabbrüche mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert sind.